Demenzfreundliche Kommune

Gefühle werden nicht dement – eine Aufklärungskampagne an Schulen durch Servicehelferinnen und Servicehelfer

Im Rahmen des Projektes „Demenzfreundliches Bad Cannstatt“ leisteten die beiden Jahrgänge der Auszubildenden zur Servicehelferin und zum Servicehelfer im Sozial- und Gesundheitswesen im Juni und Juli 2015 Aufklärungsarbeit an Schulen in Bad Cannstatt. In Stuttgart leben momentan geschätzte 7.000 an Demenz Erkrankte.

Ziel war es, die Schüler mit Hilfe eines kurzen Fachvortrags für das Thema Demenz zu sensibilisieren. Zudem verteilten die Auszubildenden kostenlose Informationsbroschüren in verschiedenen Sprachen, um so über die Schüler auch deren Eltern zu erreichen. Das Projekt „Demenzfreundliches Bad Cannstatt“ wurde von der Caritas initiiert und das Bildungszentrum Wohlfahrtswerk stieg mit seiner Berufsfachschule für Alltagsbetreuung als Projektpartner mit ein.

Die Auszubildenden des Jahrgangs 2013-2015 entwickelten im Rahmen des Unterrichts eine ansprechende, für Laien und insbesondere die junge Zielgruppe geeignete Powerpoint-Präsentation mit interaktiven Elementen und übte im Vorfeld mit viel Durchhaltevermögen und Ehrgeiz das Präsentieren und Moderieren. Die Auszubildenden des Jahrgangs 2014-2016 konnten die bereits vorbereiteten Präsentationsmaterialien übernehmen und übten ebenfalls im Unterricht, um das Thema Demenz überzeugend und ansprechend vorstellen zu können. Die beiden Ausbildungsjahrgänge besuchten in zwei getrennten Projektteams mehrere Schulklassen an der Altenburgschule, der Steigschule und der Schillerschule in Bad Cannstatt. Die Schulen im Stadtteil waren schriftlich zum Projekt eingeladen worden und konnten den kostenlosen Fachvortrag der Auszubildenden buchen.

In der zweijährigen Ausbildung zur Servicehelferin und zum Servicehelfer im Sozial- und Gesundheitswesen lernen die Auszubildenden den Umgang mit Menschen mit Demenz ausführlich in Theorie und Praxis. Somit konnten sie vor den insgesamt rund 90 Schülerinnen und Schülern aus den Klassenstufen 7, 8 und 9 als Experten auftreten. „In Stuttgart leben etwa 7.000 Menschen mit Demenz. Das sind so viele Menschen, wie im Hallschlag wohnen“, wurde von ihnen der anschauliche Vergleich gezogen. Deutschlandweit geht man von 1,2 Millionen demenzkranken Menschen aus, Tendenz steigend. Dies verdeutlicht die Wichtigkeit von Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung.

Gegen das zunehmende Vergessen im Verlauf einer Demenz könne man nicht viel ausrichten, erklärten die Auszubildenden  zur Servicehelferin und zum Servicehelfer, aber die Gefühlswelt der Betroffenen kann nicht dement werden, sondern funktioniere. „Gefühle kann man nicht vergessen.“ Sie gaben Tipps, wie man Demenzkranken helfen kann, indem man sie beispielsweise von ihrem früheren Beruf erzählen lässt, von der eigenen Hochzeit oder von der Geburt des Kindes. Wichtig sei ein regelmäßiger Tagesablauf und viel Geduld, auch wenn man manchmal Dinge mehrmals erfragen oder sagen muss. „Ganz wichtig ist, ruhig und geduldig zu bleiben und kurze Sätze zu formulieren“. Auch wenn zum wiederholten Mal die gleiche Frage gestellt wird. Das habe nichts mit Dummheit zu tun. Demenzkranke müsse man ernst nehmen und respektvoll behandeln.

Die angehenden Servicehelferinnen und Servicehelfer erklärten ihrem jungen Publikum das Krankheitsbild, gaben Tipps und Ratschläge im Umgang mit Demenzkranken und beantworteten die Fragen der Schülerinnen und Schüler, die sehr interessiert am Thema waren.  Zum Abschluss erzählten die Auszubildenden von ihrem Berufsalltag im Altenheim und im Krankenhaus und konnten durch ihre eigenen beruflichen Erlebnisse das Thema Demenz noch klarer und eindrücklicher darstellen. Die neunte Klasse  in der Altenburgschule zeigte sich sogar so interessiert und stellte so viele Fragen an die Auszubildenden, dass die Lehrkraft schließlich mit Bedauern einschreiten und abbrechen musste, denn die nächste Schulstunde stand an.

Da das Projekt so erfolgreich war, wird es auch in 2016 stattfinden. Dann darf der Ausbildungsjahrgang 2015-2017 aufklären und sensibilisieren.